SUPPORTERS CLUB WAT?

Dieser Text erschien zuerst im Sonderzug-Heft, das wir Euch bald in voller Länge zur Verfügung stellen werden.

„De Asis us d‘r letzten Reih em Bus?
Organisier‘n jitzt en Sonderzuch? Verzäll nix!“

Zugegeben, wir hätten bis vor einigen Jahren nicht unbedingt damit gerechnet, die Organisation eines Unterfangens in die Hände zu nehmen, das einen nicht ganz niedrigen fünfstelligen Eurobetrag kostet. Nun wollen wir nicht verschweigen, dass dieser Zug niemals ohne die Unterstützung und Erfahrung von Baskets-Geschäftsführung, Die Fans – Defense und zahlreicher Sponsoren auf die Schiene gekommen wäre. Dennoch: Dieses Projekt ist für unsere Gruppe der nächste große Schritt. Wir möchten anhand eines kleinen Rückblicks veranschaulichen, von wo aus wir mit dem Supporters Club Bonn vor neun Jahren gestartet sind und wo wir heute stehen.

Am Anfang, genauer gesagt im Frühjahr 2007, standen zwei Faktoren. Erstens eine sich stetig verschlechternde Stimmung in der Hardtberghalle. Die Zahl der passionierten und aktiven jungen Fans hatte sich in den Jahren zuvor immer weiter dezimiert. Die Euphorie der frühen wilden Baskets-Jahre war verflogen, vor allem seit dem ersten Verpassen der Playoffs im Jahr 2005. Folge davon war ein Generationswechsel im traditionellen Stimmungszentrum Block D/E, welches nun bloß noch aus dem kleinen unteren Bereich von Block E bestand, während der Rest der großen Hinterkorbtribüne selten mitzog. Auch die ältere Fangeneration auf den Sitzplätzen in Block F war zunehmend ruhiger geworden. Nach zehn Jahren Hardtberghalle war die Bönnsche Gemütlichkeit ausgebrochen.

Allerdings hatte sich in Block E eine neue kreative Keimzelle gebildet. Eine eingeschworene Gruppe 18-20jähriger Jugendlicher, die sich seit wenigen Jahren aktiv im Defense – Fanclub einbrachte, Choreografien vorbereitete, Fanclubturniere besuchte und die Baskets zu beinahe sämtlichen Auswärtsspielen begleitete. Dieser, unserer Gruppe nachgewachsener Fans war klar, dass eine große Herausforderung wartete.

Diese Herausforderung war Faktor Nummer zwei und wird heute „Block Süd“ genannt. Den Umzug auf eine 1.000 Zuschauer fassende Stehplatztribüne wollten wir keinesfalls unvorbereitet antreten. Zu groß war das Risiko, völlig unkoordiniert und ohne jegliche Struktur einer schleichenden Entwicklung zuzusehen, bei der die Art der Anfeuerung auf dem Bonner Hardtberg sich dem allgemeinen BBL-Bum-Bum-Klatsch anpassen würde.Uns von diesem Einheitsbrei abzuheben, war immer das selbstgesteckte Ziel.

Rückblickend können wir sagen, dass wir einiges dazu beigetragen haben, wie Support und Fankultur in Bonn sich veränderten.  Fangesänge während des Spiels sind heute völliger Standard. Jüngere Fans mögen uns das vielleicht nicht glauben, aber das war vor zehn Jahren bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Aufwändige Choreographien für mehrere tausend Euro, eigene Merchandising-Artikel zur Finanzierung dieser Aktionen. Den Weg dafür haben einige junge Menschen mit ihrer kreativen Energie bereitet, weil sie die Baskets nie nur als Hobby, sondern immer auch als sozialen Lebensmittelpunkt verstanden.

Dass diese Energie sich mitunter nicht nur in Form kreativer Gestaltung, sondern auch in Form wilder Pöbeleien gegenüber gegnerischen Fans oder Spielern Bahn brach, wollen wir nicht verschweigen. Allerdings können wir behaupten, dies meistens kritisch reflektiert und aufgearbeitet zu haben, um einen Weg zu finden, der zu uns und dem Bonner Basketball passt. Vor einigen Jahren veröffentlichten wir in einem Text anlässlich des fünfjährigen Bestehens unserer Gruppe folgenden Passus: „Die ständige Hin- und Hergerissenheit zwischen den beiden Positionen „Wir sind keine Fußballfans!“ und „Wir wollen viel mehr als nur Klatschrhythmen und simple Schlachtrufe!“ war von Beginn an ein ganz schmaler Grat, den wir mal besser und mal schlechter beschritten haben.“

Dem ist auch heute immer noch nichts hinzuzufügen. Wenn wir nun in unsere zehnte Saison gehen, stellen wir fest, dass sich unser Status in der Fanszene rapide gewandelt hat. Wenn wir heute mit Spendendosen durch die Halle laufen, um Geld für die nächste Choreo zu sammeln, können wir uns am Ende über vierstellige Summen freuen. Wenn wir einen Film drehen, dafür ein Schauspielhaus mieten und dieses kurzerhand in einen Kinosaal verwandeln, dann können wir am Ende stolz „ausverkauft“ melden. Wenn wir uns kritisch zu aktuellen Ticketpreisentwicklungen in der Basketball-Bundesliga äußern, erreicht unsere Facebook-Reichweite schwindelerregede Ausmaße. Wenn wir ein Basketballturnier im Sommer organisieren, ist das Teilnehmerfeld schneller voll, als wir „Ausbildungszentrum“ sagen können. Wenn wir einen Sonderzug auf die Schiene bringen möchten, dann ernten wir dafür breiten Zuspruch quer durch die Fangemeinschaft.

Kurz gesagt: Wir sind ein fester Bestandteil der viel beschworenen Baskets-Family geworden. Zudem haben sich unsere Aktivitäten weit über das rein sportliche Geschehen am Wochenende hinaus verlagert. Wir sind der kreative Motor dieser Fanszene, der neue, teils gewagte Impulse setzt und in ewig jugendlicher Euphorie den Blick eher auf die Chancen als auf die Risiken richtet.

Diese positive Bestandsaufnahme verträgt einen kritischen Blick: In den vergangenen vier Jahren haben wir einige personelle veränderungen durchgemacht. Die Gründungsmitglieder von 2007 sind mitunter über ganz Deutschland verteilt, mit beruflicher Entwicklung und Familienplanung beschäftigt. Das hat so manche Lücken gerissen, die auch durch hartnäckige Nachwuchsarbeit nicht immer gefüllt werden konnten. Die größte Gefahr für Gruppen wie die unsere besteht schließlich darin, die Kompetenzen auf ewig bei den gleichen Personen zu bündeln, anstatt vorausschauenden Wissenstransfer zu betreiben. Oder wie wir es in besagter Fünf-Jahres-Schrift formulierten: „Die Zukunft der Bonner Fanszene hängt weniger davon ab, wie erfolgreich unser Verein in den nächsten Jahren sein wird. Sie hängt vor allem davon ab, wie gut es den Institutionen innerhalb der Fangemeinschaft gelingen wird, das Feuer in den Herzen der Basketsfans aufrecht zu erhalten. Nur dann können wir auch neues Feuer entfachen und neue heißblütige Anhänger gewinnen.“ Auch hier setzen wir ein erneutes Ausrufezeichen hinter!

Abschließend möchten wir eines festhalten. Uns Bonnern wird gerne nachgesagt, selbstverliebt und arrogant auf die Fans anderer Vereine hinabzublicken. „Die besten Fans der Liga“ wurden wir einst genannt, aber ganz ehrlich: Diese hohle Phrase können wir selbst schon lange nicht mehr hören. Wir wissen ganz genau, in welchen Bereichen uns andere Fanszenen inzwischen ein- oder auch überholt haben. Damit brechen wir uns keinen Zacken aus der Krone, sondern begreifen es als Ansporn.

Allerdings wissen wir auch, worin wir immer noch ganz gut sind: Die Bonner Fans zeichnen sich seit jeher durch ein feines Gespür aus, sowohl für das Spiel mit dem orangenen Ball als auch für den richtigen Ton auf den Tribünen. Wir könnten nun unzählige Beispiele aufzählen: Eine Choreografie mit mehreren hundert Doppelhaltern im Block Süd am letzten Spieltag der verkorksten Saison 2011 als bedingungslose Liebeserklärung an unseren Verein. Ein Choreo-Thema „Mit Wind in den Segeln, kein Blick mehr zurück“ zu Beginn der darauf folgenden Spielzeit. Die Organisation dieses Sonderzuges reiht sich in die Liste ein, ebenso wie ex-Alba-Coach Luka Pavicevic, der einst von der besonderen, weil spielbezogenen und überhaupt nicht-monotonen Stimmung im Telekom Dome schwärmte. Wir haben gelernt, Situationen zu lesen, ihnen auf den Grund zu gehen und konsequente Schlüsse daraus zu ziehen. Das kann eine motivierende Botschaft ans eigene Team sein, ein warmer Applaus für den eben verletzten gegnerischen Spieler, ein Trainingsbesuch zur richtigen Zeit oder eben auch ein Stimmungsboykott.

Leidenschaft hat die Eigenschaft, in viele Richtungen zu wirken. Eben diese Leidenschaft hat uns heute in die komfortable Situation versetzt, mit einer Zugfahrt in die neue Saison starten zu dürfen. Auf der Rückfahrt wird die Mannschaft uns begleiten und mit uns feiern, ungeachtet des Spielergebnisses in Berlin. Wie könnte die Baskets-Familie bloß schöner zu einer neuen Reise aufbrechen?

Auf die zehnte Saison mit dem SCB, auf weitere zwanzig Jahre Defense – Fanclub und auf immer und ewig Baskets Bonn!

Supporters Club Bonn im September 2016